Sie sind hier: News
Mittwoch, 23. Mai 2018

Neuigkeiten

15.04.18

Und auf einmal ist alles anders

Niederdeutsche Bühne Neumünster feiert Premiere mit der Boulevardkomödie „Dat Wunner von San...

20.02.18

Neumünster: NBN bietet packendes Psychodrama

Premiere: „Mudder Mews“ inszeniert die fatalen Folgen einer dominanten Übermutter. Das Publikum ist...

20.02.18

Niederdeutsche Bühne Neumünster spielt plattdeutsches Drama

Einmal im Jahr wird es ernst auf der Niederdeutschen Bühne Neumünster. Mit dem Drama "Mudder Mews"...

Newsdetails

Neumünster : Komik und Können auf der Bühne

Die NBN begeistert mit dem Stück „Dat Wunner von San Miguel“. Hauptdarsteller Michael Schmidt sprang erst vor einer Woche ein.

Foto: Michael Ermel

Holsteinischer Courier vom 16.04.2018

von Gabriele Vaquette
 

Neumünster | , 08:30 Uhr

Neumünster | Ein Knall, es kracht, Blitze flackern, das Publikum zuckt zusammen – und dann ist es geschehen: Wie in einem Science-Fiction-Film haben Hubertus Heppelmann (Michael Schmidt) und Studentin Nelli (Carina Thomsen) ihre Köpfe gegeneinander gestoßen und die Körper getauscht. Welche fatalen und urkomischen Folgen das hat, präsentierte das Team der Niederdeutschen Bühne am Freitagabend urkomisch in der Premiere ihres neuen Stücks „Dat Wunner von San Miguel“. 150 Zuschauer kringelten sich bei der rasanten Boulevardkomödie über Irrungen und Wirrungen zwischen Männern und Frauen.

Sie könnten nicht verschiedener sein: Klodeckelfabrikant Hubertus Heppelmann strandet in einem schäbigen Hotel im verschlafenen Nest San Miguel in Andalusien. Der desillusionierte Mann, nach 25 Jahren von seiner Frau verlassen, hatte eine Autopanne. Wie er das dem Hotelbesitzer Juan (Joachim Schröder) erklärt, sorgt schon für die ersten Lacher: „Brumm brumm Keilos riemus kaputtos.“ Doch das kleine Dorf ist überlaufen, denn vor 100 Jahren sollen angeblich ein Schwein und eine Kuh ihre Identitäten vertauscht haben. Notgedrungen muss Hubertus die vor Gefühlen übersprudelnde („dat is ja vull de Börner“) und vor allem verliebte Studentin Nelli (Carina Thomsen) als Zimmergenossin akzeptieren, auch wenn sie eine quirlige Quasselstrippe ist: „Se snackt to veel“, sagt er genervt. Sie nennt ihn „Knadderkopp“. Dann der große Knall: Völlig perplex müssen Hubertus und Nelli erkennen, dass der jeweils andere in ihrem Körper ist, was zu urkomischen Dialogen führt – vor allem, als die Partner auftauchen: „Erstens kümmt dat slimmer un twetens as een denkt.“ Doch ganz können sie nicht aus ihrer Haut. Nelli fällt trotz männlicher Körperhülle ihrem geliebten Freund „Benny-Mausi“ (Sascha Krüglstein) um den Hals, Hubertus versucht als Nelli, seine Ehefrau Edelgard (Mareike Münz) zur Scheidung zu bewegen. Michael Schmidt und Carina Thomsen beeindrucken mit einer brillanten schauspielerischen Leistung. Die Zuhörer vergießen Lachtränen, als Hubertus (eigentlich Nelli) seine Nägel manikürt und die Lippen malt und Nelli (eigentlich Hubertus) ihrem Gegenüber Nachhilfe gibt und breitbeinig demonstriert, wie ein Cowboy geht.

Das Finale glänzt durch einfühlsame Momente: Denn Edelgard gesteht der vermeintlichen Nelli als Geschlechtsgenossin, dass sie völlig frustriert ist von ihrer Ehe. Hubertus begreift, dass Golf, Auto und Haus nicht das sind, was eine glückliche Beziehung ausmacht. Nellis Lebensprinzip ist für alle gut: „Leev is doch dat Dollste, wat dat gift.“

Ein kleines Wunder verkündete der stellvertretende Bühnenleiter Frank Juds, bevor sich der Vorhang hob: Hauptdarsteller Michael Schmidt war erst vor einer Woche eingesprungen, als Kai Lorenz plötzlich ausfiel. Juds kannte Schmidt, der zuletzt Henry Higgins bei „My Fair Lady“ spielte, aber auch bei den Laboer Lachmöwen oder der Niederdeutschen Bühne Preetz auf der Bühne steht. „Ich habe die Herausforderung angenommen, mir den Text auf ein Diktiergerät gesprochen und einen Tag arbeitsfrei genommen. Aber Philip Lüsebrink ist auch ein toller Regisseur und es sind kompetente Mitspieler“, erklärte der 60-Jährige. Seiner starken Leistung, aber auch der seiner Mitstreiter zollten die Zuschauer jubelnd, pfeifend und applaudierend Tribut. „Ich bin begeistert, das war frisch, flott und lustig, die Schauspieler haben mit so viel Herzblut gespielt, das war toll“, lobte Zuschauer Christian Laube (49) aus Timmaspe. 

23.04.2018 16:07 Alter: 30 Tage