Sie sind hier: Presse
Donnerstag, 21. Februar 2019

Neuigkeiten

13.02.19

Ein Theater-Thriller vom Feinsten

Eine gelungene Premiere von Dat kole Grusen" reißt 150 Zu­schauer der Niederdeutschen Bühne zu...

02.01.19

Jede Menge Spaß zum Jahreswechsel

Niederdeutschen Bühne Neumünster feierte ihre Silvesterpremiere im ausverkauften Theater in der...

02.01.19

Urkomischer Start ins neue Jahr (Kopie 1)

Das Ensemble der Niederdeutschen Bühne feierte die Silvester­premiere von „Loop doch nicht jümmers...

Newsdetails

Dirigentin hinter dem Vorhang

Karin Parton-Löhndorf feiert ihr 50-jähriges Jubiläum als Inspizientin der Niederdeutschen Bühne – und hat immer den Überblick

Das ist ihr Arbeitsplatz: Karin Parton-Löhndorf hat für ihren Job als Inspizientin der Niederdeutschen Bühne auf dem Pult das Skript mit den genauen Anweisungen liegen, welche Requisite wo sein muss und wann welcher Schauspieler auftritt. Foto: G.Vaquette

Holsteinischer Courier vom 04.01.2019
Von Gaby Vaquette

Das ist ein seltenes Jubiläum: Seit 50 Jahren ist Karin Parton-Löhndorf Inspizientin bei der Niederdeutschen Bühne Neumünster (NBN) und damit ein echtes Urgestein. Auch bei

der aktuellen Produktion „Loop doch nich jümmers weg“ ist sie dabei – allerdings als Inspizientin für die Zuschauer nicht sichtbar. Die gebürtige Brachenfelderin ging auf die Pestalozzischule, arbeitete dann als Buchhalterin. 


Courier- Reporterin Gabriele Vaquette unterhielt sich mit ihr über die Liebe zum Theater.

Wie sind Sie Inspizientin geworden?  Was gibt Ihnen der Job?

Mein erster Mann Dieter Parton wohnte ab 1967 beim NBN-Schauspieler Werner Rathje zur Untermiete an der Buddestraße, kam als Techniker und in kleinen Rollen zur NBN. Rathjes Frau war Inspizientin. Als ich gesehen habe, was sie so macht, dachte ich: Da habe Lust zu. Ich habe den damaligen Bühnenleiter Lothar Heinz angesprochen und dann 1969 als Inspizientin dort angefangen. Ich bekomme Anerkennung, wenn die Darsteller mit mir zufrieden sind, weil ihre Requisiten an der richtigen Stelle zu finden sind und alle sagen:„Das ist ja schön, dass Du inspizierst.“

Was tut eine Inspizientin?

Kurz formuliert: Sachen besorgen, zum Beispiel Gläser, Teller, bunte Flaschen für Getränke oder Luftballons, mal muss man auch was basteln wie mit Milch gefüllte Gläser. Bei „Kugelfisch Hawaii“ brauchten wir eine große silberfarbene Abdeckhaube, durch die man den Kopf stecken konnte. Bis vor zwei Jahren gab ich dem Beleuchter auch die Lichtzeichen. Wie behalten Sie den Überblick? Ich schreibe jedes Detail für jede Szene auf; man braucht Genauigkeit, Perfektion und Disziplin, es ist schon eine Herausforderung. Ich habe als Buchhalterin gearbeitet, deswegen habe ich dafür wahrscheinlich ein Händchen. Als Inspizientin achte ich auch darauf, dass die Schauspieler zur richtigen Zeit mit den richtigen Requisiten auftreten. 

 

Wie hat sich die NBN entwickelt?

Früher waren wir mehr eine fahrende Truppe, die mit Bus und Anhänger mit den Kulissen zum Beispiel ins Corso in Tungendorf oder über die Dörfer gefahren ist. Dann wurden aber die Bühnenbilder größer, die Stücke komplizierter, es wurde alles professioneller. Dafür sorgte auch Lothar Heinz, der die Schauspieler zur Disziplin ermahnte, auch rigoros. Die Themen wurden moderner, kritische Themen wurden aufgegriffen. Es war mucksmäuschenstill, als sich zwei

Männer auf der Bühne küssten. Das alles ist ein großes Verdienst von Lothar Heinz, der die

NBN zu einer der besten plattdeutschen Bühnen Norddeutschlands gemacht hat.

Ging auch mal etwas schief? Einmal sollte die Schauspielerin Waltraud Brommann in einer Szene tanzen, die Musik sollte von der Kassette kommen. Dann ist aber zweimal der falsche

Titel eingelegt worden, da hat sie es überspielt, der Tanz fiel

aus.

Welche schönsten Momente erinnern Sie?

Zum Beispiel die Aufführung „Der Freischütz“ vor 40 Jahren, eine Kooperation

mit der Hamburger Staatsoper, die von Michael Leinert inszeniert und fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde. Bei der Aufnahme war alles perfekt gelaufen. Nur eine Tasse, die

kaputt gehen sollte und dies nicht tat, musste zweimal runtergeschmissen werden. Außerdem haben wir zum 60. Geburtstag von Helmut Schmidt in Hamburg-Bergedorf

gespielt. In der Kantine der Staatsoper lief uns René Kollo über den Weg. Viel Spaß hat auch „My Fair Lady“ mit Philip Lüsebrink gemacht.

Was ist die Faszination des Plattdeutschen?

Op platt kann man viele Sachen viel schöner als auf Hochdeutsch sagen,

zum Beispiel Schiet, Ackerschnacker (Telefon) oder Modder Griebsch (Hebamme).

Ihre Wünsche für 2019? Ganz wichtig: Gesundheit. Und mehr Frieden auf der Welt.

 

04.01.2019 08:50 Alter: 48 Tage