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Dienstag, 20. August 2019

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Schwungvolle Premiere mit Neurosen

Foto: Michael Ermel

Schrei es raus! Jürgen Goldkamp als Felix Bollmann (links) therapiert Leon Rückert als Jürgen "Elvis" Appelhans. Foto: MichaelErmel

Die Niederdeutsche Bühne feierte ihre 46. Silvesterpremiere im Theater in der Stadthalle. Am Ende wurden alle als geheilt entlassen.

Holsteinischer Courier
von Thorsten Geil

Neumünster.
 Eine Erkenntnis des Silvesterabends ist erschreckend: Jeder Dritte hat ’ne Meise! Also saßen allein in der ersten Reihe im Theater in der Stadthalle sieben Fälle für die Couch, im ganzen Saal sogar weit über 150! Das wäre eine schlimme Erkenntnis, wenn sie nicht ausgerechnet von Felix Bollmann käme - und der ist ein Spitzbube, der sich in der Silvesterpremiere der Niederdeutschen Bühne plötzlich als Psychotherapeut wiederfindet. Knapp 580 Zuschauer feierten die wie immer ausverkaufte Premiere, zu der die NBN bereits zum 46. Mal eingeladen hatte.

Um es gleich vorweg zu sagen: "De Neurosen-Kavalier" von Gunther Beth und Allen Cooper kann nicht ganz mit den spritzigen Silvesterstücken der vergangenen Jahre ("Keerls dör un dör", "Allens op Krankenschien", "Geld verdarft den Charakter") mithalten, und der Gastregisseur Kai-Uwe Holsten hätte in seiner ersten Inszenierung bei der NBN an mancher Temposchraube noch etwas drehen können, etwas mehr aus seinen Schauspielern herauskitzeln können (zumindest bei der Generalprobe, auf die sich diese Rezension bezieht). Aber ein gelungenes und recht amüsantes Stück ist allemal herausgekommen.

Nette, warmherzige Komödie

Felix Bollmann hat mal wieder im Weihnachtsmannkostüm in Neumünster einen "Schmecker"-Markt überfallen und gerät auf der Flucht vor der Polizei in die Praxis eines Psycho-Doktors, wird dort irrtümlich für die Vertretung gehalten und sitzt prompt im Arztkittel in der Sprechstunde. So nimmt die Verwechslungskomödie ihren Lauf, doch Felix hat sogar reichlich Talent für den Job. Die Kleptomanin Sybille, der Finanzbeamte mit dem Hang zu Elvis, die Autorin mit der tief sitzenden Vorliebe für sexy Babydolls, ja, selbst der Kriminalhauptkommissar, der Felix eigentlich fassen soll - sie alle sind am Ende als geheilt entlassen. Nebenbei findet Felix erst eine neue Liebe und dann sogar zur Ehrlichkeit zurück, und auch seine Helferin kriegt einen Mann ab. Ende gut, alles gut.

In dem schlichten Bühnenbild (Kai-Uwe Holsten) und in schicken Kostümen dreht sich natürlich alles um den Neurosen-Kavalier; die Rolle scheint wie für Jürgen Goldkamp geschrieben worden zu sein. Er überzeugt in jeder Hinsicht und treibt die Handlung unermüdlich voran. Im Vorzimmer der Praxis flötet, flirtet und lispelt sich Kerstin Stölting als Frl. Engel ganz zuckersüß durch das Stück. Birgit Sellhorn arbeitet sich tapfer an der Kleptomanin Sybille ab, Simone Schwarzenberger lässt sich hinreißend von ihrem Vater-Komplex therapieren, Leon Rückert bringt viel Leben und Stimme in den Finanzbeamten-Elvis, und Dieter Gottwald haucht dem Kommissar am Ende auch ein bisschen Leben ein.

"De Neurosen-Kavalier" ist eine nette, warmherzige Komödie mit einigen wirklich lustigen Szenen. Das ganze NBN-Ensemble bringt das Stück solide über die Bühne. 

02.01.2013 13:00 Alter: 7 Jahre