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Herrlich komisch und gefühlvoll

Wenn drei Altenheim-Bewohner zusammen mit der vorlauten Göre auf der Bühne rappen, dann ist das Publikum der Niederdeutschen Bühne Neumünster (NBN) hin und weg. „Check it out, Schwitterbaby, check it out, man.“

13.03.2017 - Kieler Nachrichten - von Anja Rüstmann.
NEUMÜNSTER. 

Wenn drei Altenheim-Bewohner zusammen mit der vorlauten Göre auf der Bühne rappen, dann ist das Publikum der Niederdeutschen Bühne Neumünster (NBN) hin und weg. „Check it out, Schwitterbaby, check it out, man.“

Ein echter Rap auf der Bühne für "Uns Schwitter-Man" (Wolfgang M. Reimer, von links): Paula Dittmer (Patricia Juds) tanzt mit Elisabeth Kerr (Ellen Hansen), Norbert Klinke (Heiner Lenz) und Franz Josef Lohse (Klaus Reumann).

„Die Kinder verstehen kein plattdeutsch“, erklärte Frank Juds, stellvertretender Bühnenleiter der NBN, diesen Exkurs. Und so verstanden sie auf hochdeutsch, was von ihnen als Publikum erwartet wurde: Anfeuerung, rhythmisches Mitklatschen, Applaus an genau den richtigen Stellen. Den haben sich die acht Akteure auch verdient. Denn mit Elan, viel Spaß, akrobatischen und zauberhaften Aktionen und Gesang bringen sie das Musical unter der Regie von Birgit Bockmann zum Erfolg.

Herrlich komisch, anrührend gefühlvoll, nachdenklich und sogar belehrend ist das neue Stück „De Arme Ridder“, das jetzt Premiere feierte. Wolfgang „Max“ Reimer wird in seiner 50. Bühnenrolle tatsächlich zum Ritter geschlagen. Was für ein Jubiläum! Als der unfreundliche Snob Ludwig von Schwitters muss er sich mit einer vorlauten Göre herumschlagen, hat beim wöchentlichen Trivial-Pursuit-Spiel  mit seinen Mitbewohnern keine wirklichen Gegner, ärgert sich über die resolute Schwester Isolde und hat da noch ein echtes Problem.

Nur dreieinhalb Wochen zum Üben

Aber es fügt sich. Die verwahrlost wirkende junge Frau Paula Dittmer (Patricia Juds) erweist sich als äußerst wissbegierig und lernfreudig, Elisabeth Kerr (Ellen Hansen) mag den Schwitters wirklich sehr, Norbert Klinke (Heiner Lenz) erweist sich als echter Freund und der demente Franz Josef Lohse (Klaus Reumann) als perfekter Rapper. Denn zum Geburtstag vom Ritter rocken die vier die Bühne. „He is uns best Glitter-Schwitter-Ridder-Super-Man“. Yo! Das Publikum klatscht zu recht begeistert.

Dass Patricia Juds kurzfristig einsprang und nur dreieinhalb Wochen zum Üben hatte, merkt man ihr nicht an. Manfred Kaack hat als Regisseur die Altenheim-Crew bestens eingewiesen. Es gab nur einen Knackpunkt: Ein Stuhlbein. Aber auch kein wirkliches Problem. Nach dem nächsten Vorhang stand ein Schreibtisch-Stuhl mit Rollen auf der Bühne.

Weitere Termine

Weitere Aufführungstermine von „De Arme Ridder“ im Studio-Theater der NBN an der Klosterstraße:  Sonnabend, 11. März um 15 Uhr; Montag bis Mittwoch, 13./14./15. März, jeweils um 20 Uhr; Sonnabend, 18. März, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 19. März, um 16 Uhr. Zweimal zieht die Niederdeutsche Bühne in die Stadthalle: Donnerstag und Freitag, 16./17. März, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Auch&Kneidl auf dem Großflecken (04321/44064) sowie Restkarten eine Stunde vor Beginn der Aufführung an der Tageskasse. Sie kosten ab 12,50 Euro, Schüler und Studenten zahlen 6 Euro.

12.03.2017 09:20 Alter: 219 Tage